Bah, bin ich dünn

Oben ohne stehe ich vor dem gnadenlosen Hotelspiegel und frage mich, was das da neben meiner Brust ist. Eine Beule? Wovon? Ich fahre mit der Hand drüber. Es ist steinhart.

Bah, bin ich dünn„, denke ich, als ich begreife, was ich da ertastet habe.

Da ragt meine Rippe weiter nach außen als meine Brust. Nochmal: Meine Rippe ragt weiter nach außen als meine Brust! Ich bin entsetzt. Diese körperliche Veränderung scheint neu zu sein. Jedenfalls ist sie mir bisher nie aufgefallen – und ich inspiziere mich zu oft zu genau regelmäßig.

Habe ich abgenommen und mein Rippenbogen ist noch nicht wieder zusammengeschrumpft oder sind meine Brüste so klein geworden?! Und seit wann bitteschön ist das so?

Der Test mit dem neu gekauften BH zeigt: Jup, er zwickt nicht mehr. Bin eindeutig schlanker geworden. Und jup, der Vorbau füllt die Körbchen nicht mehr vernünftig aus. Wobei man sagen muss, das hat er auch nie. Denn als ich den BH kaufte (und sooo lange ist das noch nicht her), war er zum Quetschen gedacht. Und jetzt könnte ich Polster reinstecken, um ihn zu füllen.

Lieber Körper, wir müssen reden. Dringend. Das geht so nämlich nicht! Kannst du bitte das Fett von der Hüfte nehmen?! Ich weiß, du hast mir am Bauch einiges an Fett weggenommen, aber wieso gehst du dann nicht an die Stellen weiter, wo noch genug Fett zu finden ist, sondern nimmst die ohnehin schon dürren Stellen meines Körpers? Wer mich obenrum sieht, könnte meinen, ich wäre der reinste Hungerhaken. Wer mich untenrum sieht, würde vielleicht denken, ich bin vollschlank. Nein, das geht so definitiv nicht. Können wir hier bitte einen Ausgleich schaffen? Geht das, hm? Und zwar innerhalb der nächsten 3,5 Wochen?!

Wie man sich im Zaum hält, um seinen Plan nicht zu torpedieren

Die gute Nachricht zuerst: Sport läuft super.

Ich komme fast täglich dazu und schaffe es auch, das Krafttraining wie gewünscht einzubauen. Und auch bei meiner Proteinaufnahme gibt es keine Schwierigkeiten.

Die schlechte Nachricht: Beim Essen selbst gibt es jede Menge Schwierigkeiten.

Wenn nirgendwo Überraschungen lauern, komme ich klar. Dann esse ich weitgehend vegan, ziemlich gesund und im gewünschten Kaloriendefizit. Es ist aber leider so, dass ich ständig Situationen ausgesetzt bin, in denen mich das Essen anlacht. Von manchen weiß ich im Vorfeld, von anderen nicht. Aber selbst wenn ich davon weiß, habe ich mich schlecht unter Kontrolle. Hier bin ich schon ewig auf der Suche nach einer guten Strategie..

Manchmal bin ich im Defizit. Manchmal komme ich ungefähr bei 0 raus, manchmal esse ich zu viel. Es ist insoweit okay, dass ich von einem durchschnittlichen 500-Kalorien-Defizit sprach. Es ist also in Ordnung, mal mehr zu essen und das über mehrere Tage auszugleichen. Aber wir sprechen von MAL. Die Wahrheit ist aber zurzeit: REGELFALL.

Und jetzt steht auch noch ein Fortbildungswochenende vor der Tür. Von Freitagnachmittags bis Sonntagnachmittag. Samstags und sonntags jeweils mit Verpflegung. Gnarrr. Mein Untergang.

Das will ich nicht. Also setze ich mir Ziele und werde mich belohnen. Mit ein paar Och-will-ich-aber-so-gerne-haben-Produkten, um die ich schon seit einiger Zeit rumschleiche. Das sollte hoffentlich Ansporn genug sein.

  • Tägliches Kaloriendefizit von 700
  • Keine Milchprodukte
  • Keine Süßigkeiten/kein Nachtisch
  • Wenig Gluten

Der SOS-5-Wochen-Bikinifigur-Plan

In genau 5 Wochen startet unser Flieger nach Abu Dhabi. Und bis dahin darf soll noch einiges rausgeholt werden. Und zwar so:

Ernährung: zu 80 % vegan/vegetarisch und weitgehend rohköstlich mit viel Obst und Gemüse, 1 Cheat-Meal pro Woche erlaubt, durchschnittliches Kaloriendefizit von 500 pro Tag, mindestens 60 g Protein am Tag, nach jeder Sporteinheit ein Proteinshake

Sport: 5 Mal pro Woche – jedesmal Cardio, dreimal Ganzkörperkrafttraining

Außerdem: Süßigkeitenkaufverbot. Eis ist ok – aber nur vegan (Ausnahme: sonntags – obligatorisches Mittagessen mit den Schwiegereltern, Eisdessert inklusive). Externe Vitaminzufuhr. Mittagessen vorbereiten und nicht auswärts irgendwas schnell auf die Hand kaufen.

Mal sehen, was das gibt… ;-)

Wie ich meine Bikinifigur bereits im Vorfeld ruiniere und trotzdem noch hoffe

„Tust du mir einen Gefallen? Kannst du die Süßigkeiten verstecken?“, frage ich den Liebsten.

„Öhm, ja.“

„Auch die Kinderriegel, bitte.“

„Die Kinderriegel?! Das will ich schriftlich haben! Wenn ich deine Kinderriegel anrühre und du dann Heißhunger hast und nicht weiß, wo sie sind… Meine Überlebenswahrscheinlichkeit ist gering….“

„Wir fliegen bald in den Urlaub. Dafür möchte ich gerne nochmal einen Bikini-Endspurt einlegen. Aber ich kann die Finger einfach nicht von den Süßigkeiten lassen…“

Trotz Lebensgefahr war  er so lieb und folgte meinem Wunsch.

Wollen wir doch mal sehen, was in fünf Wochen figurtechnisch alles möglich ist. (Meine jetzige Figur ist wahrscheinlich „besser“ als die direkt vor der Karibik, denn zwischen meiner Karibikfigur und heute liegen viele, viele Sporteinheiten. Und viel Essen, ihr kennt micht. ;-))

Morgen dann: Wie man seine Bikinifigur bereits im Vorfeld ruiniert.

  • Folge 1: Eis nach dem Sport. (Was soll ich denn auch tun, wenn dort die Sorten Spaghetti-Eis und Kinder Bueno nach mir rufen?!).
  • Folge 2: Warum berufliche Veranstaltungen, bei denen es tolles Catering gibt, wirklich doof sind – und ich unfähig bin, die Finger davon zu lassen. (Und das findet erst morgen statt – hier hätte ich ja noch die Chance, „stark“ zu sein… Hätte, hätte, Fahrradkette…)

 

Fettlogikalarm

Ich zwang mich täglich zum Frühstück, und aß morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler. Das war insofern praktisch, da man ab 18 Uhr ja sowieso keine Kohlenyhdrate mehr essen sollte.

Anfangs versuchte ich noch, fünf Stunden zwischen den Mahlzeiten zu lassen, aber irgendwann fand ich das Konzept mit den fünf Portionen Obst am Tag viel sinniger. Ich mochte zwar kein Obst, aber wer schön sein will, muss leiden – und außerdem muss man essen, um abzunehmen, sonst ruiniert man sich leider den Stoffwechsel.

Ich trank vor jeder Mahlzeit ein großes Glas Wasser und zwei Schlucke Apfelessig. Außerdem mied ich Light-Produkte, denn die machen bekanntermaßen viel Heißhunger, und verbannte alle Süßigkeiten aus dem Schrank – sicher ist sicher. Was gut schmeckt, sollte man sowieso direkt ausspucken.

Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht. Stattdessen nahm ich immer weiter zu. Am Ende hatte ich mich kaputtdiätet – das bestätigten alle, von der besten Freundin bis zum Arzt.


Der Text entstand im Rahmen des Schreibprojekts 9+1 und hatte den vorgegebenen Satz „Ich machte es, wie es in den Büchern stand, aber es funktionierte einfach nicht.“

Ich hab‘ einfach gute Gene

In letzter Zeit tingel ich beruflich bedingt von Veranstaltung zu Veranstaltung. Jahresempfänge, Preisverleihung, Netzwerkveranstaltungen. Das Übliche. Genauso üblich ist, dass es überall Buffet gibt. Und was für eins! Sagenhaft!

Um mein Verhalten diesbezüglich halbwegs positiv zu formulieren: Wenn es mich nicht gäbe, würde nach den Veranstaltungen sehr viel Essen weggeschmissen werden.

Das fällt scheinbar auch anderen auf.

So traf ich vorgestern auf einen Herrn, den ich bereits bei einigen anderen Veranstaltungen sah. Er ist deutlich übergewichtig und kam mit einer Pizza zur Veranstaltung (völlig unnötig, da er wusste, dass es bei dieser Veranstaltung nach dem Pflichtteil sowieso immer Pizza gibt, die er dann auch noch geüsslich aß).

Er sprach mich jedenfalls an, als ich mir gerade ein Stück der leckeren erst-nach-dem-Pflichtteil-Pizza holte. (Zugegeben, es war bereits das zweite.)

„Du hast es aber gut. Hängst beruflich immer auf Veranstaltungen mit so einem tollen Buffet rum.“

„Mhm“, sagte ich.

„Und dann so eine Figur. Ständig so leckeres Buffet und dann so eine tolle Figur.“

Im Gegensatz zu ihm wiege ich locker 50 Kilo weniger.

Ich winkte ab und sagte: „Ich mache jeden Tag Sport. Da ist dann auch das Buffet kein Problem.“

In Wirklichkeit hasse ich es aber, wenn Menschen mir suggerieren, ich hätte es ja gut mit meiner Figur und könne scheinbar essen, was ich wolle. Ich ärgere mich darüber maßlos, denn auch wenn man es oberflächlich nicht sieht, bin ich einen sehr steinigen Weg gegangen und arbeite noch heute jeden Tag daran, nicht aus dem Leim zu gehen. Mich ärgern solche Sätze inzwischen so sehr, dass es mich danach dürstet, die anderen so richtig zu ärgern.

Und deswegen bekommt der nächste, der meine Figur in Kombination mit meinem Esskonsum kommentiert, nur noch eine Reaktion:

Schulterzucken + „Ich hab‘ einfach gute Gene.“

(Aber das wissen die Leute, die meine Figur fröhlich kommentieren ja sowieso schon… ;-))